Synthetische Dünger bestehen zu großen Teilen aus Phosphor. Der Phosphordünger hat die Industrielle Landwirtschaft möglich gemacht, die es wiederum ermöglicht eine stetig wachsende Weltbevölerung zu ernähren. Dieser Phosphor muss im Bergbau gewonnen werden und ist ein endliches Gut. Neben seiner Endlichkeit als Abbauprodukt, birgt er noch andere Probleme, die man  im Zusammenspiel mit unserer Abhängigkeit von diesem Stoff als das Phosphor-Dilemma umschreiben kann. Die Industrielle Gewinnung, sowie der massenhafte Einsatz in der Industriellen Landwirtschaft haben zu einer Art Phosphor-Einbahnstraße geführt, in der Phosphor von wenigen Ländern gewonnen wird, auf dem Land im Ackerbau ausgebracht und verbraucht wird und von der Bevölkerung in den Ballungszentren wieder ausgeschieden wird, wo es dann in den Abwässern entschwindet. Die Phosphate, die nicht von den Pflanzen aufgenommen werden können  und die, die in den Abwässern wieder ausgeschieden werden, reichern sich in Gewässern an und führen zu einer Eutrophierung mit all den dazugehörigen Auswirkungen.

Zudem kommt Phosphat nicht als Reinstoff vor sondern ist häufig  mit Schwermetallen verbunden, so dass mit dem Dünger Cadmium  und auch radioaktive Schwermetalle wie Uran auf die Äcker ausgebracht werden, die dann von Pflanzen, Tieren und Menschen aufgenommen werden. Das sind laut diese Doku von arte jährlich 114 Tonen, die auf deutsche Äcker ausgebracht werden. Würde dieses Uran verstromt werden könnte man damit 2 Millionen Haushalte im Jahr mit Strom versorgen.

Diese Doku von Arte fasst den Komplex zusammen:

Überträgt man das aufs Kleine kommen wir wieder zum Urin als Dünger im Garten. Ich dünge damit  nur Planzen außerhalb meines Gemüsegartens, weil auch andere Menschen außer mir mein Gemüse essen, und weil ich kein Labor habe, um den Zustand und die Zusammensetzung meines Urins zu überprüfen. Wer würde das auch schon für jede Pfütze einzeln tun. Für den Gemüsegarten habe ich Dünger aus Pferdemist, ultrahoch erhitzt und pelletiert.

Ich zitiere jetzt einen Artikel von landmensch.wordpress.com, der sich mit Urin als Dünger auseinandersetzt. Besser kann man das nicht zusammentragen:

Urin als Dünger

Sobald man im eigenen Garten beginnt in geschlossenen Stoffkreisläufen zu denken, kommt man am Thema Urin als Dünger eigentlich nicht vorbei.

Dabei mag der Umgang mit Urin für den einen oder anderen Menschen zunächst einmal befremdlich wirken, um es gelinde auszudrücken. Allerdings kommt man über eine eventuelle Ekelschwelle schnell hinweg, wenn man sich bewusst macht, dass der frische Urin eines gesunden Menschen frei von jeder mikrobiellen Belastung und – außerhalb der Spargelzeit – jedweden unangenehmen Gerüchen ist. Diese entstehen erst durch den Kontakt mit Bakterien und lassen sich durch einfache Techniken auch weitgehend vermeiden.

Flüssiges Gold

Unser Körper ist eine wunderbare Stofftrennungsanlage, die einerseits energiearme und kohlenstoffreiche Feststoffe sowie andererseits energiereiche und kohlenstoffarme Flüssigkeiten ausscheidet. In der Flüssigkeit sind sämtliche Mineralien, Spurenelemente, Hormone und Gifte enthalten, die wir vorher zu uns genommen haben und mit denen der Körper nichts mehr anfangen kann.

Dieser Stoff ist viel zu wertvoll, um ihn einfach im Klo runterzuspülen, denn er enthält u.a. die drei Hauptnährstoffe, welche Pflanzen zum Leben benötigen: Stickstoff, Phosphor und Kalium. Darüber hinaus enthält Urin verschiedene Aminosäuren, Hormone, Vitamine (sic!) und Spurenelemente, welche essentiell für ein gesundes Pflanzenwachstum sind.

Menschlicher Urin ist z.B. eine hervorragende Quelle für das Wachstumshormon Auxin. Konkret ist im menschlichen Urin eines der potentesten Auxine zu finden, die Indol-3-Essigsäure. Diese wirkt schon in kleinsten Mengen stimulierend auf die Wurzel- und Blüteentwicklung.

Bei dieser gehaltvollen Zusammensetzung ist es kein wirkliches Wunder, dass Wissenschaftler auf der ganzen Welt bestätigt haben, dass Urin als landwirtschaftlicher Volldünger bestens geeignet ist.

Auf die Ernährung kommt es an

Da die einzelnen Bestandteile des Urins in erster Linie von der persönlichen Ernährung abhängen, sind pauschale Aussagen zur Konzentration der Inhaltsstoffe schwierig. In einer Untersuchung der University of Agricultural Sciences in Bangalore wurde die Konzentration der wichtigsten Bestandteile des Urins in Abhängigkeit von der Ernährung in verschiedenen Altersgruppen untersucht und folgende Unterschiede festgestellt:

Parameter

Vegetarische Ernährung

Nichtvegetarische Ernährung

<20 Jahre

20- 40 Jahre

> 40 Jahre

<20 Jahre

20- 40 Jahre

> 40 Jahre

pH

4.97-6.51

4.79-6.65

4.26-6.23

4.96-6.81

5.29-6.29

4.93-6.19

EC (dS/m)

5.64-6.97

6.85-8.17

6.81-7.89

6.68-7.97

7.41-8.75

7.06-8.32

N (%)

0.21-0.41

0.25-0.43

0.26-0.42

0.31-0.50

0.33-0.55

0.36-0.45

P2O5 (%)

0.17-0.22

0.11-0.26

0.13-0.24

0.13-0.30

0.13-0.23

0.12-0.25

K2O (%)

0.12-0.23

0.14-0.20

0.17-0.22

0.15-0.22

0.12-0.25

0.17-0.24

Na (%)

0.22-0.31

0.13-0.23

0.14-0.22

0.24-0.34

0.12-0.30

0.15-0.23

Ca (meq/l)

8.00-16.00

6.00-18.00

10.00-24.00

8.00-20.00

14.00-22.00

14.00-26.00

Mg (meq/l)

15.80-33.58

21.73-43.46

31.60-41.48

21.73-37.53

27.65-39.51

31.60-39.51

S (%)

0.10-0.17

0.09-0.21

0.07-0.20

0.11-0.22

0.10-0.18

0.09-0.15

HCO-3 (meq/l)

5.12-11.52

7.68-14.08

6.40-14.08

5.12-14.08

7.68-16.64

6.40-16.64

Cl(meq//l)

22.72-32.08

28.07-36.54

26.29-36.09

23.61-37.87

26.29-38.76

28.07-37.87

Zn (mg/l)

16.20-19.80

17.00-22.40

17.00-23.40

16.40-20.40

18.60-23.00

17.40-23.80

Fe (mg/l)

98.60-139.40

114.20-131.80

118.80-143.00

116.60-164.80

119.40-134.80

119.40-134.80

Mn (mg/l)

17.80-27.00

17.80-27.00

18.20-27.00

22.20-27.00

17.80-27.00

17.80-26.40

Cu (mg/l)

41.82-47.84

41.82-48.04

43.82-48.04

45.96-48.78

41.82-48.44

41.82-48.44

 

Der pH-Wert schwankt bei einer normalen Ernährung zwischen 4,6 und 7,5. Je nach Diätplan verändert sich auch der pH-Wert des Urins. Eiweißreiche Kost verschiebt den pH-Wert mehr in den sauren und vegetarische Ernährung mehr in den alkalischen Bereich. Bakterielle Infektionen erhöhen den Wert. In der praktischen Anwendung im Garten spielt der pH-Wert nicht so eine große Rolle. Einerseits wird Urin nur in Verdünnung mit Wasser ausgebracht. Außerdem reguliert sich der Wert im Boden sehr schnell wieder.

Unerwünschte Bestandteile

Über genaue Details zur Zusammensetzung des eigenen Urins braucht man sich in der Regel dann keine Gedanken zu machen, solange man sich ausgeglichen und gesund ernährt. Nur wer kann das mit Sicherheit für sich behaupten? Raucher mit Sicherheit nicht. Denn die durch den Rauch aufgenommenen Gifte, u.a. Schwermetalle, wie  z.B. Cadmium, werden natürlich ebenfalls über den Urin aus dem Körper ausgespült. Eine quecksilberhaltige Amalganfüllung kann schon den Quecksilberspiegel im Urin erhöhen. Auch ein erhöhter Fischkonsum beeinflusst diesen Wert. Und an die ganzen organischen Verbindungen der Neuzeit, wie z.B. die Metaboliten der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), mag man gar nicht denken.

Ich denke, es muss nicht gesondert erwähnt werden, dass nur unbelastetes Pippi direkt im Beet zum Einsatz kommen sollte. Um das festzustellen, bräuchte man eigentlich eine umfassende Laboranalyse.

In eigenem Interesse sollte während des Konsums von nichtpflanzlichen Medikamenten auf die direkte Ausbringung des Urins im Beet verzichtet werden. Lässt sich der Medikamentenkonsum nicht vermeiden oder im Falle einer bakteriellen Erkrankung bzw. der Kontamination mit Giften besteht ggf. die Möglichkeit der Aufbereitung des Urins durch anaerobe (unter Ausschluss von Sauerstoff) Fermentierung mit Hilfe von Effektiven Mikroorganismen und anschließender aerober (mit Beteiligung von Sauerstoff) Kompostierung unter Zugabe von Holzkohle. Durch diese Prozesse werden viele Giftstoffe abgebaut oder in der Holzkohle gebunden.

Anwendung als Dünger

Für das Auffangen und Lagern von Urin gibt es die unterschiedlichsten Lösungen. Neben dem einfachen Kanister mit oder ohne Einfüllhilfe gibt es inzwischen sehr komfortable Modelle von Trenntoiletten in allen Preislagen, welche sich in viele Haushalte leicht integrieren lassen und keinerlei hygienische Mängel erkennen lassen.

Kleiner Tipp: Ein Schluck EMa in einem Lagerbehälter vor der ersten Nutzung verhindert zuverlässig Gerüche, die durch die Öffnung zum Zwecke der etappenweisen Befüllung empfindliche Nasen stören könnten. Zu “EMa” oder aktivierten Effektiven Mikroorganismen allgemein, siehe auch meinen Artikel: Der universelle Einsatz der Effektiven Mikroorganismen (gehe zu www.landmensch.wordpress.com

Als praktisch – besonders in Gärten – hat sich auch die folgende Technik erwiesen: In einem ggf. mit Sichtschutz abgetrennten Bereich des Gartens wird ein kleiner Haufen mit trockenem Stroh aufgeschichtet, ca. 20-30 cm hoch. Dieser wird dann als Zielgebiet für das kleine Geschäft genutzt. Das trockene Stroh saugt den Urin auf und speichert so die Inhaltsstoffe, nur das enthaltene Wasser verdampft in Abhängigkeit von Nutzungsintensität und Witterung. Durch den hohen Kohlenstoffgehalt des Strohs werden überdies zuverlässig Gerüche gebunden. Sollten nach einiger Zeit Gerüche auftreten, so ist das ein sicheres Zeichen, dass das Stroh seine maximale Speicherkapazität erreicht hat und erneuert werden sollte. Das verbrauchte Stroh wird am besten mit einer Mistgabel entweder auf dem Kompost vererdet oder dünn als Flächenmulch auf den Beeten ausgebracht.

Bei einer Beetausbringung in flüssiger Form sollte der Urin im Verhältnis ungefähr 1:10 mit Wasser verdünnt werden. Stickstoffliebende Pflanzen, wie z.B. Tomaten, können auch mit einer geringeren Verdünnung gegossen werden. Für Jungpflanzen sollte eine Verdünnung von 1:20 als Richtwert dienen. Je nach Ernährungsgewohnheit und der entsprechenden eigenen Urinzusammensetzung, kann der Verdünnungsgrad in Abhängigkeit von der behandelten Pflanzenart nach oben oder unten angepasst werden.

Quelle: https://landmensch.wordpress.com/2013/01/06/urin-als-dunger/