Gärtnern auf La Gomera – Bananen

Entgegen meiner Ankündigung musste ich die offenen Themen in mehr als einen Beitrag aufteilen, das Kapitel Bananen ist zu umfangreich. Also heute gibt’s nur Bananen:-).

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Die Zwergbanane, niedlich.

Portugiesische Seefahrer brachten die Banane im 16. Jahrhundert auf die Kanaren. Ihre wirtschaftliche Bedeutung erlang sie aber erst im 19 Jahrhundert mit der Einführung einer robusteren, wenig krankheitsanfälligen Zwergbanane durch den französischen Konsul Sabin Berthelot. Die Früchte entwickelten sich rasch zu einem begehrten Handelsobjekt. England und Frankreich wurden zu den Hauptabnehmern der kanarischen Banane.

Auch La Gomera profitierte von dem Aufschwung durch die Banane, die aber nur einer kleinen Oberschicht zu Gute kam.  Ihren Wohlstand investierten sie wie wo anders auch üblich in herrschaftliche Häuser und in Kirch,en, was man hier und da in den Hochburgen Hermigua, Agulo, Playa de Santiagio, Vallehermoso und San Sebastian noch sehen kann.

IMG_1586 In den 1930iger Jahren ging die Nachfrage aus England und Frankreich zurück, weil diese durch ihre afrikanischen und mittelamerikanischen Kolonien selbst Bananen anbauen konnten. Die Bananen blieben aber noch das wichtigste Exportgut. Ab den 1950 igern verdrängten billiger produzierte Bananen aus Südamerika die kanarische Banane endgültig vom europäischen Markt. Deshalb erließ Spanien 1972 ein Gesetz, dass die Einfuhr von ausländischen Bananen verbot, so dass die kanarischen Bananen wenigstens das Mutterland als Absatzmarkt hatten.

IMG_1587Die Bananen-blüte,ein Wesen von einem anderen Stern. Die Blüte besteht aus den lila Deckblättern, die sie Staubgefäße schützen. Die Banane bestäubt sich sich selbst. Wenn die lila Blätter braun werden, werden sie nach und nach abgeschnitten. Nach dem kompletten “Abblühen”, wird die Hauptblüte unterhalb der letzten Bananen abgeschnitten. Einige Bananenzüchter, besonders die Professionellen, schneiden auch die verdorrten Zipfelchen an den Bananen ab, weil das gleiche passieren kann, wie bei Zucchinis. Die Frucht kann von der Blüte her anfange zu faulen.

IMG_1586Hier wurde die Blüte nicht abgeschnitten. Die Banane steht auch in einem kleinen Privatgarten. Man sagt das Abschneiden würde die Ausbildung besserer Früchte fördern. Natürlich fallen die Zipfelchen irgendwann von allein von den Bananen ab, aber es besteht eben das Risiko.

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Die Bilder oben und das unten stammen aus kleinen Bananenwäldchen im Terassenanbau im Valle Gran Rey, sie gehören nicht zu den kommerziellen Anbaugebieten. Nachbars Hühner freuen sich über den lauschigen Auslauf.

Mit dem Eintritt in die EG 1986 gab es für das spanische Einfuhr-Gesetz eine Übergangsregelung, so dass es bis 1996 weiter bestehen blieb. Danach lief das Gesetzt aus. Parallel erließ die EU aber 1993 auf der Druck der Bananen-produzierenden Länder Spanien, Portugal und Frankreich eine Einfuhrbeschränkung  für Bananen von außerhalb. Zudem wurde die Bezuschussung des europäischen Bananenanbaus beschlossen und ein Durchschnittspreis festgelegt, ebenso die Menge die in der EU erzeugt und vermarktet werden kann. Mit 420 000 Tonnen fällt die Hälfte der Produktion den Kanaren zu.

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Bananenplantage in Hermigua, Bananen, soweit das Auge reicht.

Natürlich wehrten sich die außereuropäischen Bananenproduzenten, so dass es mehrfach zu Änderungen kam. Aktuell wird die Einfuhr über Zölle  und Ausgleichszahlung reguliert. Die kanarischen Bananen werden weiter subventioniert, durch das POSEI-Programm der EU, dass die Landwirtschaft in den europäischen Randlagen unterstützt.  Dennoch wird heute kein Bananenproduzent mehr reich . Nicht wenige Bananenplantagen wurden schon aufgegeben. Bauland kann mehr einbringen und der Anbau ist unter ökologischen Gesichtspunkten auch umstritten.

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Bananenplantage in Hermigua von der Dorfstraße aus.

Bananen brauchen viel Wasser. Um 1 Kg Bananen zu produzieren braucht man rund 400 Liter Wasser.  Auf La Gomera entsprechen die traditionellen Anbaugebiete mit ihrer Lage natürlich diesen Bedingungen. Sie liegen in den feuchteren, wasserführenden Talsohlen. Nur La Dama, ein großes Anbauzentrum, das für die Insel fast untypisch agrarindustriell aussieht, entspricht dem nicht.

Das Gebiet hat zwar fruchtbaren Boden, ist aber eigentlich zu trocken für den Anbau. Erst ab 1912 konnte hier durch moderne Tiefbrunnen, Wasserleitungen und Wasserbecken überhaupt angebaut werden. Dementsprechend sieht es hier auch deutlich weniger romantisch aus:

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Draufblick auf La Dama, schon in der Anfahrt über die Bergrücken sieht man die riesigen Flächen mit den grau-braunen Abdecknetzen, die man so viel auf Teneriffa sieht. Unzählige Wasserbecken reihen sich aneinander.

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La Dama liegt nicht im feuchten Tal sondern auf der Steilküste. Hier sieht man, dass die Anbauflächen fast bis zum Meer gehen. Danach kommt nur noch die Klippe.

Und so sieht sieht das von der Straße aus aus. Bananen, wohin das Auge reicht. Die Sorten, die so ungeschützt wachsen sind robustere Sorten. Hier pfeifft es ganz schön und die ungeschützten Bananen sehen ganz schön zerfleddert aus.

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DSC_0200Deshalb werden empfindlichere Sorten geschützt angebaut. Geschützt durch diese wenig ansehnlichen Lochmauern, die den Wind brechen und die braunen Netze.

Die Banane ist kein Baum sondern eine Staude. Das, was wir für den Baum oder den Stamm halten ist nur ein Trieb, der zur Blüte kommen will. Wenn er geblüht hat (inkl. Bananenbildung), stirbt er ab. Aus dem Rizom treibt dann ein neuer Trieb, der den gleichen Zyklus durchläuft.  Dann wird der alte Trieb einfach abgehackt. Das meiste Zeug bleibt als dicke Schicht auf dem Boden liegen.

Durch das schnelle Wachstum entziehen Bananen dem Boden viele Nährstoffe, so dass viel nachgedüngt wird. Es wird wegen Ratten und allerlei Schadgeziefer auch gerne viel gespritzt. Ich traue mich immer gar nicht irgendwas anzufassen, manchmal sieht man richtig die Sprührückstände.

Hier sieht man Banana Bunch Cover/ oder Ripening Bags. Diese blauen Schutzhüllen sollen die Qualität der Früchte verbessern und die Qualität erhöhen, in dem sie die Früchte vor Schäden schützten.

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Die Bananenstämme werden häufig durch Metallstützen abgestützt, wegen ihrer Schräglage, die durch dDSC_0203as Gewicht der Staude (=Fruchtansatz) immer mehr zunehmen könnte. Auch die Staude selbst wird auf vom Stamm mit einer Stütze abespreizt, damit sie gerade hängt.  Denn wenn sie es nicht tut, entwickeln sich die Bananen auf der nach außen gebogene Seite stärker und werden größer und früher reif. Ungleichmäßige Entwicklung ist dem Markt Graus.

Auch hier sollen die die Ripening Bags helfen: Eine Seite ist  silbern, was die Sonne reflektiert, so wird der Unterschied nivelliert. Wenn die untersten Bananen durch die Biegung zum Licht nach oben rund geworden sind, wird die Bananenstaude geerntet. In La Dama gibt es ein eigenes Packzentrum, in dem die Stauden gewaschen, gewachst und  in die bei uns im Handel zu sehnenden “Manos” = Hände geschnitten werden.

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Die kleineren Bananenproduzenten zum Beispiel im Valle Gran Rey liefern ihre Bananen selbst zu den Packhallen, den Empaquetadora de Platanos von COPLACA,  der Produzentengemeinschaft von La Gomera. Solche gibt es auch in Hermigua (naheliegend), weil Großproduzent und in Vueltas im Valle. So müssen sie sich nicht selbst um das Verpacken und Vermarkten kümmern.

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Früher wurden sie auch direkt von La Dama verschifft. Aber die Verladestation wurde zusammen mit der Fischdosenfabrik in La Rajita  am Fuß der Klippe eingestampft. So erging es allen alten Verladestationen, (siehe Fotos unten).

Diese Verladevorrichtungen hießen Pescantes, was mit Davit übersetzt wird. Ich kenne das Wort nicht. Der Pescante ist ein festmontierter kranartigen Ausleger, der zum Beladen der Schiffe mit den Bananen direkt vor der Küste benutzt wurde. Es gab hier keine Häfen, die See und die Klippen, machten es für Schiffe unmöglich anzulegen.

Historia de Hermigua (1890-1975)

La Gomera – Nordtour | Atanga

Obenen: Pesante de Hermigua- man kann ahnen, was hier für Kräfte wirken. Unten Pescante de Agulo, wenige Kilometer weiter.

Pescante de Agulo | Turismo de La GomeraLos Pescantes: el principio del fin de un aislamiento

Das Castillo del Mar – eine traurige Geschichte – S/Y ...

Pescante de Vallehermoso

Vor der Errichtung dieser Ausleger  konnten in Hermigua zum Beispiel nur etwa 400 Pakete in zwei Tagen bei günstigsten Bedingungen geladen werden.  Nach dem Bau des Pescante wurden zwischen fünf und sechstausend Pakete pro Monat verladen. Das wirtschaftliche Einkommen stieg gewaltig.

Mit der gewachsenen Infrastruktur, die mit dem Aufschwung durch das Bananengeschäft kam, konnten  die Bananen ab den 50igern über San Sebastian verschifft werden. Vorher gab es gar nicht die Straßen und die Transportmittel. Die Pescantes wurden überflüssig. Heute Erinnern nur noch die Überrreste der Pescante an diese Ära.

 So sieht z.B. der Pescante de Vallehermoso,  auch bekannt als Castillo del Mar heute aus. Die Kräfte der Natur kämpfen sich an dieser exponierten Lage ab. Das Meer im Norden ist rau, auch bei gutem Wetter. Steinschlag und Sturmfluten zerstören immer wieder die Straße

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3 Comments

  1. Spannender Bericht! Das mit den verdorrten “Zipfeln” war mir neu.

    In Ägypten gibt es übrigens auch nur die kleinen Zwergbananen, die dafür allerdings sehr aromatisch sind!
    Ich schneide die Bananenschalen übrigens immer klein und trockne sie und mische sie dann, zusammen mit Eierschalen, in den Erdmix für meine Kübeltomaten. Die freuen sich über die Extraportion an Kalium (Bananen) und Calcium (Eierschalen) und danken es mit reichem Fruchtansatz.

    • sas

      März 6, 2018 at 12:31 am

      Hey Bianca,
      Gratulation zu deinem neuen Profil! Hab ich natürlich gleich mal abgescheckt. Hab mich tierisch gefreut über deinen Freu-Post zu den Samentütchen:-D
      Ach, wenn das nicht bei FB wäre könnte ich dich in meinen Blogroll einbauen:-/. Fünf Kilo Gemüseausbeute im Monat, nicht schlecht, Herr Specht. Dein Mangold sieht echt verdammt gut aus. Will ich gleich rein beißen.
      Das ist eine tolle Idee mit den Bananenschalen, aber ich esse hier so gut wie keine Bananen und Eier auch nicht. Wenn überhaupt habe ich das mal zuhause, aber das kommt dann wieder nicht in den Garten. Mit meinem “Schweinekübel” zuhause könnte ich echt einen Mega-Bokashi machen. Ich muss dass noch mal überdenken.
      Ich habe mich aber gefragt, wie das mit Pestiziden auf der Schale ist, oder hast du Bio-Bananen? Stelle mir immer vor das meine Kompostwürmer sich vergiften, wenn ich nicht Bio nähme. Ich nehme derzeit Ur- Gesteinsmehl fürs Mineralische.
      Ich lese mal beim anderen Kommentar weiter.

      • Wenn man einen Garten hat ist Bokashi super, da es dir einen super Dünger liefert! Da ich ja nur in Töpfen gärtnere, habe ich mit der Zeit meine eigene etwas unkonventionelle Methode entwickelt:
        Sämtliche Küchen- und Gartenabfälle kommen in eine 70l Tonne mit Luftdichtem Deckel. Immer wenn etwas hinzugefügt wird, gebe ich eine gute Handvoll Weizenschrot (sehr billig hier), oder Holzspäne oder auch Pipi-verklumptes Katzenstreu auf Bentonitbasis hinzu und sprühe EM drüber. Meine Tonne hat allerdings keinen Hahn, so dass ich mehr “braunes” wie das Schrot oder das Katzenstreu benutzen muss, damit die Flüssigkeit aufgesaugt wird. In der Tonne fermentiert alles ohne unangenehme Gerüche.
        Wenn die Tonne voll ist, ca. alle 3-4 Monate, wird der gesamte Inhalt gelehrt und mit trockenen Blättern, Pappschnipseln, etc. gemischt und in einenen normalen Komposter für aeroben Kompost (ebenfalls Marke Eigenbau) gegeben und dort weiter durchzukompostieren. Die EMs geben dem ganzen allerdings einen Mächtigen Schub und bis die Bokashitonne wieder voll ist, ist meist alles gut durchkompostiert.
        Insbesondere bei Obst ist hier oft nicht nachvollziehbar, ob die Waren Bio sind. Aber Bananen sind meist nicht gespritzt, Gemüse kaufe ich soweit möglich Bio und beim Rest ist es unmöglich es genau zu wissen. Aber darüber mache ich mir beim Kompost keine Gedanken.
        Von Kompostwürmern halte ich mich fern, da ich erstens kein Geld dafür ausgeben will und die Kompostwurmhaltung im Kairoer Sommer auf der Dachterasse sehr schwierig ist. Letztes Jahr habe ich an einem heißen Tag mal 55°C in der Sonne gehabt! Im Sommer ist mein Garten nur im Überlebensmodus. Hauptkartensaison für mich ist September bis Mai.

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