Gärtnern auf La Gomera- Teil 1

Während wir in Deutschland bei griesegrauen Winterwetter und Sturmtiefs  den Winterdepressionen frönen und den Frühling herbei sehnen, läuft für Flora und Fauna auf La Gomera die Endlosschleife des ewigen Sommers. Und ich darf dabei sein!

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Mein Dorf, hier kommt man nur zu Fuß rauf, 130 Treppenstufen von der Straße aus.

Mein Gärtnerherz schlägt auch im Urlaub unermüdlich und so kann ich nirgends hin reisen, ohne mich nach dem Gärtnern zu sehen, und über fremde Gartenzäune zu schielen, um zu erforschen was und wie sie es machen.

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Mein Lieblingsgarten im  mittleren  Valle. In dieser Talsohle hier läuft immer ein Bächle durch, dass je nach Jahreszeit mal mehr mal weniger anschwillt. Alles Wasser von den höheren Terrassen und dem Barranco  läuft schließlich hier hin. Es scheint auch windgeschützter zu sein. In dieser Lage gibt es so gut wie keinen Leerstand.

La Gomera ist in dieser Hinsicht sehr spannend, weil es ganz anders ist als unsere  mitteleuropäische Gartenkultur und deshalb möchte ich Jeden, der mag, ein wenig teilhaben lassen an meiner Horizonterweiterung.

La Gomera ist eine Vulkaninsel, die zweitkleinste Insel der Kanaren, fast kreisrund und an der höchsten Stelle 1.487m hoch. (Natürlich war ich schon mal dort, um runter zu gucken). Von diesem höchsten Gipfel ziehen sich steile Bergkämme hinunter bis sie den Meeresspiegel erreichen.

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Dazwischen liegen teilweise tiefe Schluchten, (durch die dann und wann niederschlagsbedingt im Winterhalbjahr Sturzbäche  schießen können) sowie Täler und Hochplateaus.  Hier und da plätschern dauerhaft Bächlein durch die die Barrancos (Schluchten und Talsohlen) und es gibt Quellen und sogar Wasserfälle.

Um hier gärtnern zu können schufen die Gomeros, wie viele andere Kulturen mit ähnlichen Voraussetzungen, Terrassen an den Berghängen um die Flächen nutzbar zu machen.  Eine unglaubliche Leistung. Viele dieser Terrassen liegen heute brach, weil es einfach zu aufwendig und mühsam ist, es wirtschaftlich nicht mehr lohnt (Bananen) oder nicht mehr der wirtschaftliche Zwang besteht. Auch hier ist Selbstversorgung nicht mehr der Standard und die Banane im Supermercato kommt schon mal aus Teneriffa.

Bildergebnis für valle de hermigua

Welche Terrasse in Benutzung bleibt, scheint die Lage zu bestimmen: Ortsnah, gut erreichbar, nicht zu steil gelegen scheinen mir die Kriterien zu sein. Am beliebtesten sind am und um den Ort und in der Talsohle.

Ein ausgeklügeltes System aus Staubecken, Wasserleitungen, die über die abenteuerlichste Weise über die Bergrücken geführt werden,  Kanälen und angehäuftelten Dämmen verteilt das Wasser durch Nutzung der Schwerkraft bedarfsgerecht von der obersten bis zur untersten Terrasse und in die Häuser.

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Ein Staubecken am Fuße des Wasserfalls bei El Cedro Richtung Hermigua. Es wird von dem mit 200 Metern  längsten Wasserfall der Insel ( El Chorro) gespeist.

Hier ein paar Beispiele, wie das aussieht: Bild 1: Unterhalb des eben erwähnten Staubeckens führen diese dicken Rohre das Wasser von hier runter ins Tal nach Hermigua. Bild 2:  Embalse de Izcagüe bei Chejelipes.

(Auf Bild klicken, wenn Vergrößerung gewünscht).

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Das gleiche Staubecken bei Arure in verschiedenen Jahreszeiten: Nicht nur am Wasserstand, sondern auch am Grün drum herum erkennt man die Macht des des Niederschlags.

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Unten Bild 1: Mitten im Nirgendwo (bei Playa de Santiago), auf einem Bergrücken, der steil ins Meer abfällt findet sich dieser ein langsam verfallender Wasserkanal. Er hört einfach dort oben auf. Ich vermute er hat eine aufgegebene Bananenplantage rechts vom Bergrücken versorgt. Bild 2: Wasserleitung an den bewirtschafteten Hängen in meinem Dorf.

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Das ist die Wasserleitung im Dorf mit den Zuleitungen für die Häuser links und rechts. Dank fehlendem Frost sind solche Konstruktionen möglich.

An den Verteilungspunkten gibt es diese Ventile, um das Wasser zu entnehmen. Es schießt mit einem unglaublichen Druck aus der Leitung, wie aus einem Hydrant. Damit die Kanäle nicht durch den Druck beschädigt werden, schießt das Wasser zuerst in diesen Betonschacht, der an einen Brunnenschacht erinnert. Von dort läuft es dann weiter in die Kanäle oder wie hier einen natürlichen Lauf den Hang hinab, von dem links und recht wieder weitere Kanäle abgehen.

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Hier verläuft der Hauptkanal am rechten Bildrand. Wer Wasser für seine Terrasse braucht,dreht seinen Vertreilerhahn auf und zieht die Klappe zum Hauptkanal hoch. Dann fließt das Wasser in die Seitenkanäle. Durch die Dämme wird die Terrasse in verschiedene Abschnitte unterteilt, die separat bewässert werden können. Die Klappen bestehen aus Holzbrettchen, die zur besseren Abdichtung auf diesem Bild mit Kunststoff umwickelt sind. Ich habe das aber auch schon mit Bananenblättern statt Kunststoff gesehen.

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Auf dem oberen Beet wachsen Kartoffeln, auf dem Unteren vorrangig Kopfsalat, ein eher untypisches Anbauprodukt, was mich vermuten lässt, dass  bei der Größenordnung für die eigene Zumeria ( ein Saftladen;-)), das eigene Restaurant, oder für den Verkauf an solche angebaut wird. Denn Salat ist auf der Insel (lokalbedingt- zu heiß) Mangelware, genauso wie viele andere Gemüse, die viel Wasser und gemäßigtere Temperaturen brauchen, zum Bsp. Kohlrabi, Fenchel, Sellerie, Mangold, diverse Kohlsorten. Möhren sieht man auch extrem selten, liegt vielleicht aber auch am Boden? Salat muss also größtenteils importiert werden und er wird von vielen deutschen Auswanderern und Touristen schmerzlich vermisst. Wer kann, baut seine liebsten, vermissten Gemüse- wenn sie sich denn anbauen lassen- selbst an. Das scheint DIE Sorte Salat zu sein, die man hier anbauen kann. Ich habe so gut wie keine Andere gesehen. Ganz vorne wächst Süßkartoffel.

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Gleiche Beete von von oben. Morgens kommen immer die Gärtner raus und hacken und bereiten die Beete vor für den nächsten Anbauzyklus. Später hält man es in der Sonne nicht mehr aus.

Gierig habe ich mich bei meiner Heimkehr auf das Salatregal im Supermarkt gestürzt und schwelgte in der Vielfalt und Auswahl der Babyleafsalate und Salatmischungen. Etwas, dass man hier einfach nicht kriegen kann. Denn das ist frische Ware, die sich nur wenige Tage hält. Alles was vor Ort nicht angebaut werden kann, muss auf die Nachbarinsel eingeschifft oder eingeflogen werden und dann mit der Fähre rüber gebracht werden. Das verteuert solche Produkte enorm oder ist zeitlich gar nicht zu schaffen. Ich habe mehrfach abgelaufene Pimientos de Padron angedreht bekommen, wo das Ablaufdatum einfach mit einem Preisschild überklebt worden war und sie sahen auch dementsprechend aus, sowas wäre bei uns schon aussortiert worden. Ich habe sie trotzdem gekauft, teils zum doppelten Preis, weil ich so Lust auf was Grünes hatte.

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Die Einheimischen sind mit ihrer Esskultur dementsprechend angepasst.  Mein Eindruck: Es gilt Fisch/ Fleisch ist mein Gemüse!

Kartoffeln und Mais waren neben Bananen, DAS Anbauprodukt. Aus den Kartoffeln wurde traditionell Papas Arrugadas gemacht. (Wird immer übersetzt als kanarische Schrumpelkartoffel: Eine Art Pellkartoffel mit zarter Salzkruste, weil sie mit Meersalz und  so wenig Wasser so gekocht wird, dass das Wasser verdunstet bis zur Gare. Dazu gibt es grünes und rotes Mojo- eine Würzsoße ähnlich einem Pesto. Heute wird viel Fritiertes aus der Kartoffel angeboten. Die Kartoffel ist eine sehr gut zu dem Standort passende Pflanze, wenn man an ihre Herkunft denkt. Da überrascht ihre Dominanz nicht.

Aus dem Mais wurde traditionell Gofio hergestellt.  Gofio war zu Zeiten der Altkanarier das wichtigste pflanzliche Lebensmittel. Der Mais wurde in Gofiomühlen geröstet und dann gemahlen. Das so entstandene Mehl wird entweder mit Brühe,  Knoblauch, Kräutern und Gewürzen oder mit Honig, Mandeln und Rosinen zu einem Teig geknetet und roh gegessen.  Ich habe es bisher nur in einem Restaurant bekommen, als Brei (Sättigungsbeilage) zu einem Eintopf. Ich habe Mais nur sehr selten in Kultur gesehen, vielleicht war es gerade die falsche Jahreszeit.

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Eine weitere, weniger ausgefeilte Bewässerungsmethode: Die ganze Terrasse wird geflutet, wie ein Reisfeld. Hinten an der Palme schießt das Wasser ein. Dieses Beet sieht aber trotzdem unbewirtschaftet aus.

Extreme Temperaturschwankungen gibt es auf La Gomera nicht. Selten kann es zu einigen Tagen mit großer Hitze kommen, wenn Luftströmungen aus der Sahara kommen. Durch den Kanarenstrom bedingt, liegt die Wassertemperatur im Sommer zwischen 21 bis 23°C und im Winter zwischen 18 und 20°C. Die Lufttemperaturen schwanken im Jahr zwischen 15 und 29 Grad, was nicht wirklich heiß scheint, aber die Sonne ist unglaublich intensiv, so dass auch 18 Grad Lufttemperatur zum Entblößen auffordern können.  Je weiter man nach oben kommt, desto kühler wird es und anders herum.  Die Durchschnittstemperatur im Garajonay- dem Nebelwald, der sich um den alten Vulkankegel gebildet hat hat , liegen bei 15 Grad.  Wir maßen aktuell 6-14 Grad. Und es wehen diese feuchten Nebelwinde.

Durch dieses Klima kann man ganzjährig anbauen, obwohl es hier auch eine  kühlere, feuchte und eine wärmere, trockene Jahreszeit gibt, so dass ein bisschen Spielraum für die Bedürfnisse der Pflanzen drin ist.  Auch die Höhenlage bestimmt, was geht und was nicht.  Salat im Sommer und im Tal kann ich mir zb. nicht mehr vorstellen, Kartoffeln gehen immer und auch das Obst und die Avocados sind Jahreszeitlich schwankend. Gleiches gilt für Feigen und den Weinbau, der nur auf einem bestimmten Terroir stattfindet. Blätterabwerfende Pflanzen werfen auch hier ihre Blätter ab, obwohl es nicht den starken Kältereiz gibt, wie bei uns. In El Cedro, oben auf dem Berg habe ich auch Äpfel und Kiwis im Anbau gesehen. Allerdings waren die Äpfel aktuell grauenvoll beschnitten. Bild aus dem Spätsommer/ Frühherbst, da oben ist jetzt auch Winter.

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Gärtnern im Tal des großen Königs:

So viel zum Grundsätzlichen. Also, was wird hier im warmen Süden so angebaut? Schauen wir mal in anderer Leuts Gärten:

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Hier in der Talsohle vom oberen bis mittleren Valle reiht sich Gartenparzelle an Gartenparzelle. Ganz hinten im Bild sieht mal Schilf. Da läuft immer ein kleines  Bächle durch. Toplage! Auf diesem Bild sind es wieder Salatköpfe, dahinter Zwiebeln, links hinten eine junge Bananenplantage und das buschige hinter den Zwiebeln oder Porree könnten junge Mangos sein.

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Hier fast das gleiche Bild. Vorne links sieht aus wie eine Orange, nur ohne Früchte, obwohl gerade Saison ist. Weiter hinten größere Mangos. Die haben gerade keine Saison, blühen aber schon.

Das ist die Blüte einer Mango. Irgendwie ein verrückter Anblick, denn ich kann mir nicht vorstellen, wie sich aus so einer gefiederten Blüte eine große, dicke Mango entwickeln kann. Ich dachte deswegen erst , dass sie vielleicht männliche und weibliche Blüten haben, aber überall unter dem Baum lagen alte Mangos. Das kann also nicht die Lösung sein.

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Weiter unten im Tal sah ich dann das: Ein Baum mit Fruchtansatz. Oha.  Das ist ja noch verrückter als ich dachte.

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Massenhafter Fruchtansatz mit der Survival of the fittest- Stategie. Am Ende hängen nur noch wenige große Mangos an den “Strippen”, siehe Beispielbild:

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Hier ein sehr niedlicher Hausgarten mit untypischer Beetgestaltung. Sieht auch eher kulturell deutsch aus. In der ersten Reihe von vorne wachsen Tomaten. Tomaten habe ich extrem selten gesehen obwohl ich gedacht hätte, dass das auch ideal hier für sie wäre. Ich beziehe ja schon zum zweiten mal mein Tomatensaatgut von den Kanaren. Diese Tomaten hier sind nicht besonders hoch. Die Kletterhilfen sind aus dem hiesigem Schilfrohr. Ich wünschte ich hätte auch so kostengünstigen Zugang zu sowas.

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In diesem Gemüsegarten wird mit Tropfbewässerung bewässert, das habe ich bei noch einem weiteren Garten gesehen und bei diversen Topfvorgärtnen, die aber auch Deutschen gehörten. Äußert effizient beim Wasserverbrauch und wenn installiert so gut wie keine Arbeit. An unserem Ferienhaus ist die Bewässerung so programmiert, dass sie nur nachts läuft, dann verdunstet noch weniger. Dann und wann wünsche ich mir das auch für meinen Garten.

Zweite Reihe sind hier Zwiebeln oder Lauch, danach  ein bisschen Kohl und Salat. locker verteilt. Man kann es nicht so gut erkennen. Die Reihe ganz rechts sind Chillies oder Bohnen, kann ich nicht genau sagen. Auf alle Fälle etwas selteneres. Chillies oder Paprikas sieht man nicht so oft, wie man vermuten würde. Eigentlich doch ideales Klima. Hinten vor dem Schilf links wachsen Papayas. Ich zeig mal wie da ein Fruchtansatz aussieht:

IMG_1595Ebenfalls in diesem Garten aber eine Etage tiefer, hinter dem grauen Klotz, hinten wo das Schilf beginnt, wachsen Maracujas. Maracujas können ranken und ich habe sie schon am Wegesrand durch einen Zaun wie eine Hecke wachsen sehen. In diesem Garten bedeckte sie große Teile des Bodens, wie ein Kürbis.  Unglaublich lecker. Ich nenne es mein Gomera-Frühstücksei.

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Die beschriebene Maracuja von der anderen Seite.

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Der Obsteller ist ein Bild aus dem Spätsommer/ Frühherbst: Mangsos vom Nachbarn geschenkt bekommen, Äpfel aus El Cedro, Kaktusfeigen von hinter dem Haus. Das gab es jetzt leider alles nicht.

Ganz allerliebst und so deutsch wie ein Lebkuchenherz ist dieser kleine Hausgarten:

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Ich erkenne Porree, Salat, eine Art Rotkohl oder rote Kohlrabi, Spinat oder grüner Mangold, hinten rechts Kapuzinerkresse und vorne rechts könnte Brunnenkresse sein, aber auch Koriander oder glatte Petersilie.  Ein tradiotionelles Inselgericht ist u.A. auch Potaje de Berros, ein Brunnenkresseeintopf- oder Suppe. Irgendwie merkwürdig, wenn man an die mehrheitlich kargen, trockenen Berghänge denkt, aber auch wieder einleuchtend, wenn man die vielen Tröpfelgewässer in den Barrancos sieht.

Hier zeige ich euch die Beiden Wasserfälle, die ich bewandert habe. Der erste ist der Salto de Agua bei El Guro, der zweite der 200 Meter lange El Chorro.

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Ein Tümpel im Flussett, dass zum 1. Wasserfall gehört.

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Die allgemeine Trockenheit abseits dieser Orte führt zu einem Problem, auf dass der mitteleurpäische Gärtner vielleicht gar nicht kommt: Die Kompostfrage. Natürlich fallen auch hier oder vielleicht besonders hier raue Menge an Pflanzenabfällen an. Die Palmenwedel zum Beisiel. Sie sind einfach riesig und unglaublich hart und widerstandsfähig.

Das Ding in meiner Hand ist kein Besen, sondern das Überbleibsel des Palmenfruchtstandes zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse. Aber aufgrund der Trockenheit verrottet einfach nichts oder halt sehr, sehr langsam und zerfällt wohl eher zu Staub und wird dann fortgeweht? Es macht also  keinen Sinn einen Komposthaufen in dieser Region zu haben, weil er nur immer größer und größer wird.

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Das ist das einzige Mal, dass ich einen Komposthaufen gesehen habe. Schnittgut und was aufgefegt wird, wird, auch wenns sehr sperrig ist über die Müllabholung entsorgt, wenn es man es bis zum Standort der Tonne bringt. Hier und dort stapeln sich auch große Haufen in irgendwelchen toten Ecken, aber das ist gefährlich, weil es Bränden einen Boden bietet, oder man schmeißt was im Weg liegt in die nächste Schlucht.  Das hier, in dem sich die Katze versteckt, sind die vorottungsgehemmten Überreste einer Opuntie, die beim Brand 2012 bis zum Absterben geschädigt wurde. 5 1/2 Jahre ist das her und es ist immer noch da. Eine Opuntie ist ja nun echt kein Baumstubben.

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Das sieht in den Regionen oben am Berg natürlich anders aus, weil es dort durch den Nebel viel feuchter ist. Und es gibt sehr unterschiedliche Bodentypen. Aber So einfach wie hier, wo ich mir für unter 40 Euro ein Kubikmeter Oberboden in den Garten karren lasse, wenn mir die Erde nicht gut genug ist, ist es nicht. Man muss ja erst mal hin kommen. Lieferung bis Bordsteinkante bedeutete hier etwas ganz anderes. Ich denke da nur an die 130 Stufen. Dafür gibt es aber auch diese fruchtbare Vulkanerde. Eben nur nicht überall.

Im Nächsten Teil geht es um die wirtschaftliche Nutzung der Palmen, Bananen, Gärtnern im kühleren Norden der Insel und um Viecher:-)

7 Comments

  1. Hallo,
    Danke für diesen interessanten Beitrag mit -wie immer- schönen Fotos. Nach der Katze in der abgestorbenen Opuntie mussten meine Kollegin und ich lange suchen :-) . Wie mühsam das Gärtnern unter diesen Bedingungen sein muss! Auf das Problem mit dem Kompostieren wäre ich nie gekommen. Ich bin gespannt auf den Teil II über Gärtnern auf La Gomera.

    Liebe Grüße
    Karin

    • sas

      Februar 18, 2018 at 9:42 pm

      Juhu, ein Kommentar:-)! Freu mich, dass es euch gefallen hat, ich fands auch sehr interessant, weil es so anders ist. Ja, krass die Katze oder, die perfekte Tarnung, als wäre sie ein Chameleon.

      lg

  2. Hallo,
    ein sehr spannender Artikel der Spaß macht zu lesen. Ich musste zugegeben erst mal google fragen wo genau La Gomera liegt, aber mir fiel gleich auf, dass es in der Vegetation und den Sorten viele Parallelen zu Kairo gibt. Dank google hat sich das dann auch leicht erklärt, La Gomera liegt auf dem 28. Breitengrad und Kairo auf dem 30. So kann ich auch zu so manchem Thema noch ein bisschen beitragen:

    Bewässerung:
    Die Bewässerung, die man auf den Bildern sieht ist sehr ähnlich zur traditionellen Flutbewässerung in Ägypten. Dabei werden die Parzellen mit Wasser eines kleineren Kanals, der von einem größeren Abzweigt geflutet. Da Wasser in Ägypten knapp ist, ist das System wer wann Wasser entnehmen darf sehr ausgeklügelt. Interessant wäre was für Boden auf La Gomera vorherrscht und wie die Wasserhaltefähigkeit des Bodens ist, d.h. wie oft geflutet wird.

    Saisons:
    Das Problem mit dem Salat ist mir von Kairo auch gut bekannt. In Ägypten gibt es zwei Hauptpflannzzeiten: September/ Oktober und Januar/Februar. Darüber hinaus gibt es noch eine dritte Saison im April/Mai, in der allerdings nur ausgewählte und besonders hitzeresistente Sorten angebaut werden wie Melonen, Okra, Hibiskus und Jute.
    Salat gibt es nur in der Wintersaison. Im Sommer ist es dafür viel zu heiß. Das einzige Grün, dass dann noch wächst ist Portulack. Eben deshalb finden sich Kohlrabi, Fenchel, Sellerie, Kohl etc. nur im Winter. Wobei mein Kohlrabi dieses Jahr über 5cm Durchmesser überhaupt nicht hinaus gekommen ist (es war zu warm), mein Mangold dafür aber überraschenderweise den Kairoer Sommer 2017 überlebt hat und weiter gedeiht.
    Andere typische Wintersorten sind Zwiebeln, Bohnen und Karotten. Auch bei uns steht Kapuzinerkresse gerade in vollem Saft und die Mangos, Pfirsiche und Orangen blühen. Chilis und Paprika sind sehr hitzeresistent und werden meist im Sommer angebaut.

    Kompost:
    Widersprechen muss ich beim Kompost. In diesem Klima kann man durchaus kompostieren, man muss nur wissen wie. Konventionelle Komposthaufen gehen, müssen aber ab und an gewässert werden, um eine Feuchtigkeit von ca. 30% zu erhalten. Gebräuchlicher sind abgeschlossene Komposter, die die Evaporation verhindern, aber gut lüften. Ausserdem lässt sich dann noch viel mit anaerobem Kompost mit Effektiven Mikroorganismen (EM), ähnlich zur Bokashimethode machen. Zur Zeit kostet eine Tonne Kompost ca. 350 EGP, also ca. 17 EUR. Für den Gartengebrauch kann man auch 50kg Säcke bekommen die je nach Qualität zwischen 50 und 80 EGP kosten.
    Ich gärtnere auf einer 97 Quadratmeter Dachterrasse mitten in Kairo und decke nach 3 Jahren Bewirtschaftung meinen Kompostbedarf mittlerweile zu 100 % selbst und dass bei Sommertemperaturen von bis zu 45°C im Schatten.
    Dass die Opuntien nicht verrotten wundert mich nicht. Die Fasern der Opuntien sind extrem robust und bei der niedrigen Luftfeuchtigkeit im Sommer verrottet da natürlich nichts.

    Palmen:
    Palmwedel etc, sind natürlich, sperrig und sehr holzig und eignen sich daher nur bedingt zur Kompostierung, es sei denn sie sind gehechselt. In Ägypten werden die Mittelrippen der Palmwedel allerdings anders genutzt. Daraus werden Boxen hergestellt, mit denen das Gemüse traditionell auf den Markt transportiert wird, oder auch robste und langlebige Gartenmöbel, sowie Tische, Regale und sogar einfache Bettgestelle. Die Palmwedel werden auch genutzt um Pergolen, Carports oder Ställe abzudecken und zu beschatten. Aus den alten Fruchtständen werden Besen für den Aussenbereich hergestellt.

    Ein langer Kommentar, aber vielleicht für den ein oder anderen interessant. Ich freue mich jedenfalls schon auf den zweiten Teil des La Gomera Berichts.

    • sas

      März 6, 2018 at 12:45 am

      Ach, herrlich Garten-Geeks unter sich!

      Nein, dein Kommentar ist nicht zu lang, ich freue mich total von dir zu lesen und finde es toll zu hören, welche Parallelen es gibt und wie es bei dir läuft. Zum Beispiel Saison: Ist das erwähnte Gemüse nur bei dir im Anbau oder wird es in der Zeit auch landwirtschaftlich angebaut?
      @Kompost: Ja das war auch meine Theorie, dass der Kompost Feuchtigkeit bräuchte. Es wird scheinbar kulturell aber nicht gemacht. Bei uns ist das ja ein Selbstläufer. Du schmeißt oben immer drauf und im Frühjahr oder noch später, ist wie aus Zauberhand schöne Komposterde da. (Außer man man eine Wissenschaft draus, gibt es ja auch.) Wie misst man die Feuchtigkeit im Haufen
      praktisch? Bei uns verfluchen die meisten die geschlossenen Plastikkomposter, weil nicht genug Feuchtigkeit dran kommt. Lustig-Verkehrte Welt.
      Gott o Gott muss schlafen, mehr Antwort demnächst.

      lg sas

      • Die Saisons ist ja für Dachgärtner und Landwirte gleich, nur dass der Stadgärtner zusätzlich zu den sowieso schon hohen Temperaturen noch mit dem Heat Island Effect zu kämpfen hat, also mit der zusätzlichen gespeicherten Wärme, die von Gebäuden und abgestrahlt wird. Das macht noch mal 5-7°C Unterschied.
        Ausserdem baue ich natürlich einige Sorten an, die ich einfach in Deutschland liebgewonnen habe und die es hier ansonsten nicht gibt. Kohlrabi zum Beispiel, oder Mangold. Alles andere, wie z.B. Kohl, Sellerie (aber nur Stauden, keine Knolle), Karotten, etc. wird auch in der Landwirtschaft angebaut.

        Ich “messe” die Feuchtigkeit im Kompost nach Gefühl: es muss leicht feucht sein, aber nicht nass. In meinen Workshops halte ich die Teilnehmer auch dazu an ein Gefühl dafür zu entwickeln. Das ist leichter als man denkt.
        Ansonsten gibt es ja auch diese Kombisensoren mit denen man Bodenfeuchtigkeit, Temperatur, Ph-Wert und bei manchen sogar Lichtintensität und NPK messen kann. Ich hab so ein Gerät mal für 8€ in Deutschland gekauft, nutze es aber selten und eher zum Spaß. Hier gibt es die auch und sie kosten nicht viel.
        Kompostieren geht hier sehr gut, aber man muss sich ein bisschen mehr drum kümmern als in Deutschland. Neben der Feuchtigkeit muss man auch das Verhältnis von braunem (Kohlenstofflieferant) und grünem Material (Stickstofflieferant) im Auge behalten, sonst fängts schnell an zu stinken (die Hitze!) und Fliegen fangen an ihre Eier zu legen.

  3. Ein super – interessanter Bericht. Kannst du vielleicht mal an eine Natur- , Garten- bzw. Reisezeitschrift geben.

    • sas

      März 20, 2018 at 6:01 pm

      Hallo Birgid, danke für das Kompliment! Nehmen die denn Geschreibsel von Amateuren? Ich weiß gar nicht, wie sowas geht. Hast du sowas schon mal gemacht?

      lg sas

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