Vom Garten auf den Tisch: Selleriesuppe mit Maronen und Bratapfelkuchen

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Ich muss mir keine Mühe geben um jahreszeitlich zu kochen, denn was sich verkochen lässt, drängt sich förmlich auf: Ich habe noch relativ viel Sellerie und der wächst langsam so merkwürdig länglich und deshalb muss er abgeerntet werden. Die Kartoffeln sind schon lange geerntet und warten im Erdkeller auf ihre Verarbeitung. Hm, und was könnte ich noch dazu geben, damit es interessanter schmeckt? Beim Ausflug in de Pilze hatten wir so viel gesammelt dass ich alles Übrige eingefroren habe. In kleinen Portionen, so dass ich nur in den Gefrierschrank greifen brauche, um mir geputzte Waldpilze her zu zaubern.

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Sieht gut aus mein Sellerie, schön weiß. Aber er hat schon wieder diese wattigen Stellen.

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Hier sieht man es besonders gut, wie merkwürdig sich das durch die Knolle zieht. Im Sommer habe ich ein Buch von einer Gartennachberin bekommen, in dem ich etwas dazu gelesen hatte. Also lese ich noch mal nach:

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Hm, ja Stickstoffüberfluss, das trifft wohl zu. Sie standen ja auf dem Hochbeet und da ist nur Komposterde drinnen. Beim nächsten mal weiß ich es besser. Ich wollte ja auch gar keine Knollen anbauen, sondern Stangensellerie. Eigentlich.

Während der klein geschnittene Sellerie und die Kartoffeln mit etwas Knoblauch und Wasser weich kochen, habe ich viel Zeit mich dem Kuchen zu widmen.  Wenn es kalt wird, kriege ich immer so Appetit und wenn dann so Wintergemütlichkeitsassoziationen mein Konsumentenhirn bombarderen, wie eine Backmischung für Bratapfelkuchen oder Zimtschneckenkuchen, kann ich nicht widerstehen. Zudem warten hier ein paar angeschrumpelte Äpfel, die ich schon mit nach hause genommen hatte.

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Die lagern für gewöhnlich auch im Gartenhaus, wegen der kühlen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit. Da musste ich gestern die Pappschachtel mit Salz weg schmeißen, weil sie so viel Feuchtigkeit aus der Luft gezogen hat, dass sie unten anfing zu tropfen und das Holzregal nass gemacht hat. So viel dazu.

Ach die Ernte war dies Jahr einfach nicht gut. Alles klein und krank. Zuletzt habe ich jetzt den Landsberger Renette Apfelbaum abgeräumt. Da gab es nicht nur einen Apfel, der alle Pilzkrankheiten auf einmal auf seiner Schale zeigte.

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Ausstechen, schälen, auf den Teig setzen. Mit in der Backmischung waren Calvados-Rosinen, aber lächerlich wenig. Zu wenig, um meine Hohlräume zu füllen, deswegen habe ich mir noch eine klassische Bratapfelmischung aus Walnüssen, Mandelblättern, Haferflocken, Butter und Honig angerührt und in die Hohlräume verfüllt. Darauf kam dann noch eine flüssige Füllmasse aus 600 ml Sahne und Tütchen Nr. 2.,  eine Art Puddingpulver.

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Wegen meiner eigenen Füllung war die Form dann ein bisschen übervoll und der Kuchen machte Anstalten über sich hinaus zu wachsen.

Derweil hatte ich die weich gekochten Kartoffel- und Selleriestücke schon püriert und nun kamen die Maronen zum Einsatz:

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Ein kleiner Teil der angebratenen Maronen kommt anschließend direkt in die Suppe und wird auch püriert. Für das Mehr an Geschmack. Der Rest kommt als Geschmackshighlight oben drauf. Das unterbricht die Homogenität der Suppe und man hat etwas, wonach man fischen kann. Für meinen Mann ohne, für mich mit Rettichsprossen. Beides ein Genuss.

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Nach dem Essen war auch der Kuchen fertig gebacken, aber ich ließ ihn noch bis zum nächsten Morgen auskühlen.

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Hier noch etwas zu dem Buch, das für mich ein echter Schatz ist, ein Zeitzeugnis mit viel altem Wissen. Es ist von 1917. Unsere KGA ist von 1914 und ich phantasiere die ganze Zeit darüber, ob es seitdem hier auf der Parzelle meiner Nachbarin war. Es wurde 1917, im Erscheinungsjahr gekauft und verschenkt, von einer Frau, die eine Widmung für den Beschenkten hinterließ, an ihren “lieben Schwager, zur Hebung der Landwirtschaft” . Herrlich.

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Diese herrlichen Abbildungen! Was sie einem alles verraten über die Zeit. Die Werkzeuge, die Kleidung, die Düngehinweise! Besonders faszinierend sind die Ausführung zu den Bewässerungssystemen der Zeit. Ohne Elektrische Pumpen und Rasensprenger war das eine ganz andere Herausforderung. Ein besonderes Zeitzeugnis ist diese Liste:

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Kriegsgemüse, was für ein Begriff. Und sehr interessant sind auch die Werbeanzeigen: Thomasmehl musste ich gleich mal digital nachschlagen. Den Saatgutkatalog von Haage & Schmidt Erfurt, kann ich mir sogar  online im Archiv der TU Berlin unter “gartentexte-digital” ansehen.

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1 Comment

  1. hallo sas,

    bei mir werden die sellerieknollen meistens nur eigross, ich wäre ja schon froh, wenn ich apfelgrösse erreichen könnte.

    also lass dir deine suppe gut schmecken,

    gruss hanna

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