Bienen im Sperrbezirk: Ausbruch der Amerkanischen Faulbrut

Eigentlich wollte ich mich die Tage hinsetzten und einen Post über mein erstes Honig-Schleudern schreiben, aber aus aktuellem Anlass muss ich umschwenken auf die Bedrohung durch die Amerikanische Faulbrut.

Mitte November bekam ich Post vom Veterinäramt meines Bienen-Bezirkes, dass die amerikanische Faulbrut ausgebrochen sei, und ich bin mit meinen Bienen im Sperrbezirk. Anhängig lange Ausführungen von Geboten und Verboten. Der Sperrbezirk hat nur 1 Km Radius, das ist recht klein und ich stelle fest, bin richtig in der Mitte. Das heißt ich bin schön nah dran am Herd und ich habe Angst.

Amerikanische Faulbrut-kurz AFB, was ist das?:

Die Amerikanische Faulbrut ist eine hochansteckende anzeigepflichtige Bienenseuche. Sobald der Verdacht besteht muss der Amtstierarzt informiert werden.
Erreger
  • Lateinischer Name: Paenibacillus larvae larvae
  • Sporenbildendes Bakterium
  • Sporen sind Dauerstadien und sehr widerstandsfähig gegenüber hohen Temperaturen (bis zu 120°C) sowie nahezu unbegrenzt ansteckungsfähig.
Entwicklung
  • Der Erreger befällt ausschließlich die Brut der Honigbiene.
  • Durch sporenhaltiges Futter gelangt der Erreger in den Larvendarm und keimt hier aus.
  • Jüngste Maden (bis 1 1/2 Tage) werden bereits durch wenige Sporen angesteckt und sterben frühzeitig, noch ehe es zur Massenvermehrung des Erregers kommt.
  • In den Larven kommt es erst nach Verdeckelung der Zelle zur eigentlichen Massenvermehrung der Faulbrutbakterien.
  • Die Streckmade oder Vorpuppe wird nun samt der Chitinhaut vollständig zersetzt und bildet in der unteren Zellrinne eine zungenförmige schleimige Masse.

Quelle: https://www.lwg.bayern.de/bienen/krankheiten/084048/index.php

Von Tanarus – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7884746

Sperrbezirk & Juristische Regelungen

In Deutschland regelt die Bienenseuchen-Verordnung sowohl Prophylaxe als auch Schutzmaßnahmen im Verdachtsfall bzw. nach amtlicher Feststellung der Seuche, die als anzeigepflichtige Tierseuche amtlich bekämpft wird.

Prophylaktisch kann jeder Imker jederzeit seine Bienenvölker durch einen amtlich bestellten Bienensachverständigen auf Amerikanische Faulbrut untersuchen lassen. Der sinnvollste Zeitpunkt dafür liegt im Frühjahr vor der Bildung von Ablegern. Eine solche Untersuchung ist zwingend erforderlich, wenn der Imker beabsichtigt, Völker zu verkaufen bzw. abzugeben, eine Belegstelle zu beschicken oder mit Bienenvölkern zu wandern. Bienensachverständige stellen für diese Zwecke Gesundheitsbescheinigungen aus, die in Kopie sichtbar an den Beuten befestigt werden. (Meine Bienen wurden auch letztes Jahr getestet- alles OK.)

Im Fall des Verdachts oder des Ausbruchs der AFB dürfen vor der amtlichen Klärung bzw. Feststellung der Seuche durch das Veterinäramt an dem Bienenstand keine Veränderungen vorgenommen werden. Für alle Personen außer dem Besitzer und seinen Vertretern und Handlungsgehilfen, Tierärzten und zuständigen Bienensachverständigen gilt ein Betretungsverbot.

Nach amtlicher Feststellung der AFB müssen am betroffenen Bienenstand Bienenwohnungen, tote Bienen, Gerätschaften, Wabenmaterial, Wachsvorräte usw. nach Anweisung des Amtstierarztes desinfiziert oder unschädlich beseitigt werden. Seuchenkranke Bienenvölker werden je nach amtlicher Anordnung entweder getötet („abgeschwefelt“) oder durch ein Kunstschwarmverfahren behandelt.

Mit der amtlichen Feststellung weist die Veterinärbehörde auch einen Sperrbezirk mit mindestens einem Kilometer Radius um den betroffenen Bienenstand aus, in dem alle dort gelegenen Bienenstände ebenfalls auf AFB untersucht werden müssen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Faulbrut

Die Bienen sind jetzt in ihrer Winterruhe, deshalb hat das Veterinäramt davon abgesehen, jetzt bei mir Proben nehmen zu wollen und sich für das Frühjahr angekündigt.  Es fühlt sich irgendwie an, wie eine Galgenfrist. Vielmehr noch, seit dem folgendes passiert ist: Bei dem Imker, bei dem der Ausbruch festgestellt wurde, wurde die Tötung aller Völker angeordnet.

Oberverwaltungsgericht verfügt: Acht Bienenvölker müssen abgetötet werden!

So sieht ein abgetötetes Bienenvolk ausDer juristische Kampf um die acht nach allen Untersuchungen gesunden und vitalen Bienenvölker in Pankow ist verloren: Bis morgen früh müssen die Bienenvölker getötet werden!

Die zuständige Behörde in Pankow kann damit eine unrühmliche Reihe absurder Rechtskämpfe fortsetzen (…):

Auch in diesem Fall konnten weder Fachleute noch der Imkerverband Berlin die vorgebrachte Dringlichkeit der Maßnahme erkennen und kritisierten das Vorgehen in einer gemeinsamen Stellungnahme. Leider jedoch entschied auch das Oberverwaltungsgericht rein auf Basis der vorgebrachten Argumente ohne weitere Experten anzuhören.
Nun werden wir prüfen, wie wir als Verein und Verband den betroffenen Imker bei der weiteren Aufarbeitung unterstützen können – solches nur schwer nachvollziehbar durchgesetztes Behördenhandeln können und werden kaum in dem behaupteten Interesse “zum Wohl aller” Imker und Imkerinnen liegen und werden die eigentlich erwünschte Teilnahme der Bienenhalter an freiwilligen AFB-Monitoring-Maßnahmen nicht fördern.
Es ist daher unser ureigenstes Interesse, dass die offiziellen Leitlinien des BMEL zur Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut auch in Berlin Einzug halten dürfen und auch behördliche Beachtung finden. Wir möchten das mit Fördermitteln des Landes Berlin angeschaffte “Gesundheitsmobil” zum Wohle unserer Bienen sachgemäß nutzen dürfen – und wir nehmen das “Tierwohl” wortwörtlich und individuell! Kein gesundes Bienenvolk sollte pauschal sterben nur weil es die gleiche Adresse wie ein krankes hat!Den an die 100.000 Bienen wird das nun leider nicht mehr helfen…. wir können nun nur noch durch unser Engagement in der Politik und bei Behörden dafür sorgen, dass ihr Tod nicht gänzlich sinnlos sein wird!

Als Folge dieses Geschehens hat der Imkerverband Berlin e.V. zusammen mit dem Imkerverein Reinickendorf-Mitte e.V. eine gemeinsame Stellungnahme verfasst, in der vier konkrete Maßnahmen von der Berliner Politik gefordert werden. Hier könnt ihr das Anliegen mit Hilfe  einer Petition mit unterstützen.

https://www.openpetition.de/petition/online/kein-amtstieraerztlich-verordnetes-abtoeten-von-gesunden-bienenvoelkern-in-berlin

Warum hat Berlin so viel AFB-Ausbrüche?:

2018 AFB in Pankow (November 2018)
2018 AFB in Reinickendorf (August 2018)
2018 AFB in Neukölln (Juli 2018) >> aufgehoben
2018 AFB in Neukölln (Juni 2018) >> aufgehoben
2018 AFB in Wilmersdorf (6.6.2018) >> aufgehoben
2017 wurde in Berlin kein Ausbruch der AFB amtlich bekannt.
2016 wurden insgesamt vier Ausbrüche bekannt.

Klassische übertragungswege:

Die AFB wird von Volk zu Volk übertragen, in erster Linie erfolgt die Übertragung durch Räuberei an Völkern mit AFB, weniger durch Verflug oder Schwärme. Verflug meint, dass Bienen aus anderen Völkern sich in ein fremdes Volk verirren (z.B. weil ihre Behausung umgestellt wurde, während sie draußen waren. Dann müssen sie sich einbetteln und als Gastgeschenk in wenig Nektar ausspucken.)

Die Bienen können AFB-Sporen aber auch mit sporenverseuchtem fremden Honig, zum Beispiel in von offenen Honigläsern von  Glascontainern aufnehmen, oder durch die Nähe von Mülldeponien und Abfallsammelstellen mit Fremdhonig in Kontakt kommen. Da sporenbelasteter Honig für Menschen unbedenklich ist, ist er voll verkehrsfähig und wird regulär verarbeitet und vermarktet. Man kann davon ausgehen in den normalen Supermarkthonigen, die Mischungen verschiedener Honige aus EU-Ländern enthalten, immer “Seuchenhonig” mit dabei ist. Deshalb ist jeder Honig, der nicht aus eigener Produktion stammt, eine Gefährdung für die Bienen und darf nicht verfüttert werden.

Man kann sich Sporen auch durch den Kauf von Geräten und Beuten von Faulbrutimkern ins Bienenhaus holen, oder wenn die Bienen ihren Weg zu frei zugänglichen Waben mit infizierten Futterresten oder nicht bienendicht verpacketen, mit Sporen belasteten Honig finden.

Das Berlin-Problem:

In der ganzen Region hat die Imkerei einen Boom erlebt, immer mehr Menschen interessieren sich für Bienenhaltung und immer mehr fangen auch tatsächlich damit an. Aber nicht alle bilden sich vorher ausreichend aus oder werden nicht ausreichend ausgebildet, selbst wenn sie den Wunsch haben. Ein Hersteller einer Bienenunterkunft und Kursanbieter zum Imkern mit seinem System, propagierte zur Frage, woher bekomme ich Bienen, man könne sich dann seine Völker im Internet kaufen, denn er vermittle selbst keine. Die Völker oder Ableger werden dann wie ein paar Schuhe  mit der Post verschickt. Und das wird dann auch gemacht, häufig sind die dann auch einladend günstig. Die kommen dann unkontrolliert von sonstwo her und bringen sonstwas mit. Viele der Neulinge wissen nichts vom Gesundheitszeugnis, von den Regeln beim Überführen über Bezirksgrenzen, sie melden sich nicht beim Veterinäramt an und sie sind in keinem Imkerverein.

Dadurch sind solche Imker abgehängt von den Frühkontrollsystemen, wie der allfrühjärlichen Futterkranzprobe der Vereine, sie sind bei Nicht-Anmeldung nicht als Verbreiter oder Gefährdete registriert, sie werden nicht informiert wenn eine Bienenseuche ausbricht, sie werden nicht kontrolliert und auch nicht saniert.

Und zu alledem kommt, dass die Bienendichte in Berlin sehr hoch ist. Im aktuellen Sperrbezirk weiß ich von mindestens 5 registrierten Imkern. Verein in dem der Sperrbezirk liegt umfasst 152 Imker & Imkerinnen mit insgesamt 727 Bienenvölkern. Von allen potientiellen Ansteckugsmöglichkeiten gibt es einfach mehr in einer Großstadt.

Hier ein schöner alter Lehrfilm, über die Abläufe bei AFB-Befall und die Sanierung, ein bisschen skuril bei der natürlichen Intonation seiner Darsteller:-) Aber sehr informativ.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=Oq51_QlXqJI

2 Comments

    • sas

      Dezember 28, 2018 at 9:59 pm

      Hallo Jan,
      dankeschön:-) Wollte gleich auf deine Seite klicken, aber ist noch nicht on. Oder ich brauche ein Passwort. Sag Bescheid, wenn’s los geht, bin gespannt. lg

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