Rückblick Englandreise: Great Dixter Gardens

Great  Dixter ist einer der berühmtesten englischen Gärten. Viele Gartenfreunde waren schon da, ich jetzt auch. Und für die, die ihn noch nicht kennen, stelle ich ihn gerne vor, denn es ist bisher mein liebster Garten in Kent und East Sussex.

Great Dixter war das Familienhaus von Gärtners und Gartenschriftsteller Christopher Lloyd  (1921-2006) – es war der Mittelpunkt seines Schaffens und seiner Hingabe und beflügelte ihn  über 40 Jahre lang zu Büchern und Artikeln zum Fach. 

Nach Christopher Lloyds Tod 2006 übernahm die gärtnerische Leitung Christopher’s Freund und Chefgärtner, Fergus Garrett. Das einstige private historische Haus sowie der  Garten sind wie viele alte, große Herrenhäuser in den National Trust übergegangen und dienen weiterhin als Bildungszentrum und als Wallfahrtsort für Gartenliebhaber aus der ganzen Welt.

DSC_1078

Der Chefgärtner, Fergus Garrett schreibt über die Pflege des Gartens folgendes (Übersetzung eines englischen Interviews):

“Der Garten wird genauso verwaltet wie in Christoph Lloyds Zeit. Wir streben nach kontrastreichen, beeindruckenden Pflanzenarrangements aber auch nach Intimität in unseren Kombinationen.

DSC_1058

Perfekte Beispiele dafür

DSC_1051DSC_1036

All dies eingerahmt durch die formgebende  Infrastruktur von Gebäuden, Gartenhecken und Landschaftspflanzungen.

DSC_0026

 

DSC_0010

DSC_1093

Diese beiden Bilder tauchen später bei der Erwähnung der einzelnen Gartenabschnitte noch mal auf. Hier sind sie unter dem Gesichtspunkt “Hecken als Struktur gebende Elemente”.

DSC_0047

Die Wildblumenwiesen bilden einen fließenden Übergang zwischen den Außengrenzen und dem Gartenreich im Inneren der Anlage. Sie werden zweimal im Jahr geschnitten.

DSC_1029DSC_1032

Die Bäume auf den Wiesen dürfen in einem natürlichen Zustand wachsen, ohne zu viel beschnitten zu werden.

DSC_1031

Zum Thema Obstbaumschhnitt: Mir ist in allen Gärten aufgefallen, dass die Obstbäume nicht geschnitten werden, was ich absolut nicht nachvollziehen kann, denn Obstbäume sind Kulturpflanzen und haben sich auf Grund des langen Zucht- Kultivierungsprozesses von ihrer natürlichen Vitalität und natürlichen Selbstregulierung (wie bei einem Laubbaum) entfernt. Dadurch sind sie auf unsere Pflege angewiesen. Wenn die Bäume nicht geschnitten werden, verkürzt das ihre Lebensspanne und ihren Ertrag. Bequemlichkeit kann man dem englischen Gärtner sicher nicht vorwerfen, sie haben aus welchem Grund auch immer in dieser Hinsicht eine andere Kultur, ich wüsste nur gerne wieso.

.

Die Rabatten  bestehen aus gemischten Pflanzungen von Bäumen, Sträuchern, Stauden, zweijährigen Pflanzen, Einjährigen und Kletterpflanzen. Die Bäume und Sträucher geben  die Struktur und den Rahmen, die Stauden dominieren in der Sommersaison, die sich selbst aussamenden Ein- und Zweijährigen runden das Gesamtbild ab.

DSC_1114

Papaver commutatum ‘Ladybird’

DSC_1066

DSC_1088

Alles ist mit Zwiebelgewächsen unterpflanzt,  mit Kissen von Einjährigen und Saisonpflanzen, die die Beete von Frühjahr bis Herbst abwechslungsreich und reizvoll gestalten.

DSC_1052

DSC_1053

Der Gartenstil ist arbeitsintensiv, aber den Pflanzungen sieht man das nicht unbedingt an. Unsere wichtigste Methode ist die Versorgung der Flächen mit organischem Dünger, der regelmäßig in die Rabatten  unter gegraben wird. Die Pflanzen werden im Herbst- und Winterzeitraum nicht zurück geschnitten. Erst im Frühling wird aufgeräumt, so dass wertvolle Strukturen für eine schöne Wintersilhouette erhalten bleiben. Zudem stellen die Fruchtstände eine gute Nahrungsquelle für Tiere dar.

DSC_1065DSC_1089

DSC_1059

Wir gärtnern nicht Bio, sondern verwenden Chemie minimal, wir bevorzugen immer die softere Variante. Wir ziehen die Mehrheit unserer Pflanzen selbst vor und experimentieren ständig.

DSC_0037

Das verwendete Wasser stammt aus unserem eigenen Brunnen  und wir kompostieren fast alles, was anfällt. Die Zahl der Gärtner variiert, aber in der Regel gibt es fünf Vollzeit-Gärtner, unterstützt von Teilzeitbeschäftigten, Studenten und Freiwilligen.

DSC_0033DSC_0031

DSC_0029

Der Garten entwickelt seine ästhetische Dynamik mit Hilfe einer Reihe von visuellen Höhepunkten, wechselnden Kübelbepflanzungen und Materialien, die wir je nach Saison verwenden.

DSC_1044

DSC_1043

DSC_0045

Im Juli bis August sind die Wildblumenwiesen immer braun, da wir warten, bis die Samen ausreifen, bevor wir sie mähen.

Eine der angenehmen Eigenschaften der Gärten von Great Dixter (In England werden viele der berühmten Herrenhausgärten immer als Mehrzahl bezeichnet da die einzelnen ‘Gartenräume’ als ein Garten betrachtet wird. So ergibt das Zusammenspiel von beispielsweise dem ‘White Garden’, dem ‘Rose Garden’, Kitchen- und Secret Garden’ eben Gardens) ist, dass sie rund um das Haus zentriert liegen. Machen Sie einen Rundgang durch die Gärten, haben sie auch einen Rundgang  um das Haus gemacht.”

DSC_1033

DSC_0057 DSC_0048

Jeder Gartenraum hat eine gute  und verlockende Aussicht auf den Anderen.

DSC_0046Abgesehen von ein paar Obstbaumwiesen und ein paar verstreuten Bäumen gab es hier keine Gärten, als die Lloyds 1910 auf die Bühne traten.

Christopher Lloyd besuchte das Kings  College in Cambridge. 1941 wurde er schließlich in die königliche Artillerie eingezogen und nach  Ost-Afrika versetzt, bevor er 1946 zurück nach England abgerufen wurde. Von frühester Kindheit an hegte C. Lloyd eine Liebe zur Gartenarbeit, die von seiner Mutter an ihn weiter gegeben wurde. Diese Liebe zum Gärtnern war der Grundpfeiler seines Lebens, so dass er nach der Armee einen Abschluss in “decorative horticulture” am Wye College in Kent machte (würde ich mit Gartengestaltung oder Gestalterischem Gartenbau übersetzten) und anschließend zwei Jahre lang als Dozent dort tätig war. Von dort kehrte er schließlich nach Great Dixter zurück, um seinen Lebensunterhalt mit Hilfe dieses Garten zu verdienen und  ihm sein Leben zu widmen.

DSC_0032 DSC_0035

Der Garten wurde für Besucher geöffnet und eine Baumschule wurde eröffnet, in der die Pflanzen verkauft wurden, die man in den Rabatten bestaunen konnte. Sein Talent zu Schreiben  zeigte sich mit der Veröffentlichung seines ersten Buches im Jahre 1957. Nach diesem Erfolg wurde das Muster für die darauf folgenden fünfzig Jahre gelegt. Llyod war ein charismatischer und manchmal umstrittener Gärtner, der in der Lage war, ein breites Publikum zu begeistern. Mit seinem wunderbar atmosphärischen und malerischen Garten im Zentrum all seines Schaffens, machte Lloyd  Great Dixter international bekannt.

Es folgt eine Auflistung der Gartenräume:

Der Scheunengarten:

DSC_0054
DSC_1028

Die namensgebende Scheune von der Seite des Parkplatzes. Sie wird gerade neu eingedeckt.


Der Senk-Garten:

DSC_0058
DSC_0044


Der Walled Garden

DSC_0055
Der Solar Garden:

DSC_1035

DSC_1037 DSC_1036

Obere Wildblumenwiese

DSC_0009
Der Formschnittgarten:

DSC_0025


Der Exotische Garten:

DSC_0004

DSC_0008


Upper Moat ( Ein Wassergraben oder Überflutungssenke):

wurde von den Lloyds umgewandelt in einer Wildblumenwiese

DSC_1030


Lower Moat mit Blick Richtung Streuobstwiese:

In diesem Entwässerungsgraben fließt noch Wasser. Deshalb siedeln hier viele Feuchtgebietspflanzen wie Gunnera manicata.

DSC_0020
Die Lange Rabatte:

DSC_1109
Der Obstgarten:

Heute kein Obst mehr sondern Stauden und Einjährige im lichten bis tiefen Schatten diverser Bäumchen, überrankt von Rosen.

DSC_1085DSC_1101
DSC_1098
DSC_1095
Es gibt einen Katzengarten (warum auch immer der so heißt?) und einen Pfauen- Garten (Formschnitt-Hecke in Pfauenform) gleich neben der Wildblumenwiese am Haupteingang.
DSC_0047


Der hohe Garten:

Mein Lieblingsgarten im Garten: Ein Eibenbogengang führt den Besucher von der langen Rabatte aus durch einen Durchgangsgarten, bis zum Hochgarten. Blick fällt auf das Haupthaus, während man die Treppe hinauf steigt. Es entsteht ein schönes Zusammenspiel zwischen den Formen der Gebäude im Hintergrund und den architektonischen Formen, der in Form geschnittenen Eibenhecken.

DSC_1093

Der Hochgarten war typisch für Küchengärten der edwardianischen Zeit. Pfade werden von ziemlich schmalen Blumenrabatten flankiert, die von Spalierobstbäumen geschützt werden, die den Blick auf die Gemüsebeete begrenzen. Hier wird  noch viel Gemüse angebaut, aber auch Stauden, Zwiebelpflanzen, Ein- und Zweijährige versammeln sich hier zusammen.

DSC_1074DSC_1071

DSC_1057

Blauer Storchenschnabel mit dunkel-aubergin-farbenden Kornblumen und einen Doldenblüter ähnlich  dem Dill als reizvollen Strukturgeber.

DSC_1092

Lunaria (im Hintergrund links, auch bekannt unter Silberblatt, Silbertaler, Silberling, Judaspfennig oder Mondviole), zusammen mit Agastache rugosa ‘Black Adder’ und Papaver somniferum ‘Black Single’.

 

DSC_1061

Wunderschöne Farbkombinationen und der berühmte Poppy (Schlafmohn) der bei uns nicht als Saatgut gehandelt werden darf. Man könnte ja auf falsche Gedanken kommen.

DSC_1070

Astrantia major – Große Sterndolde

DSC_1056
Pferde-Teich (Wassergarten):

Ein naturnsher, halb-natürlicher Teich, der einst   von den Arbeits-Pferden genutzt wurde, die das Land um Great Dixter bearbeiteten.

DSC_1047

DSC_1048


Der Gemüsegarten:

Wie zu Christopher Lloyd’s Tagen wird immer noch Gemüse im großen Stil  angebaut. Es wird für die eigene Küche benutzt, aber auch abverkauft. Es gibt einen extra Gemüsegärtner, der auch einen Blog  betreibt. Allerdings nicht sehr ergiebig. Es sind eher calender notes.

Um so schöner der Gemüsegarten! Beerenkäfige gegen gefräßige Amseln, das brauche ich auch!

DSC_1076
DSC_1106

Der Rhabarber blüht eindrucksvoll.

Stangenlauch frisch gepflanzt in vertieften Pflanzlöchern. Das sorgt später für den weißen Hals. Daneben Artischocken. Ach, dieses Klima.
DSC_1105 DSC_1104


Der Prärie-Garten:

Mit Blick auf des Gemüsegärtners Cottage. Dieser Teil des Gartens heißt so, weil er von hohem Gras bedeckt ist.  Früher  gab es hier auch Reihen von Obstbäumen, bis sie von den jüngsten Wirbelstürmen zu Fall gebracht wurde. Die Wiese hat eine hohe Dichte von einheimischen ODSC_1020rchideen sowie eine Anzahl von nordamerikanischen Präriepflanzen wie Kandelaberehrenpreis (Veronicastrum virginicum) , Palmlilien-Mannstreu (Eryngium yuccifolium) und einer nordamerikanischen Sonnenblumenart.

 DSC_1102

1 Comment

  1. Hallo mein Kind,
    ich habe mich sehr gefreut, den Besuch von Great Dixter noch einmal Revue passieren können zu lassen. Es ist wirklich wunderschön dort. Es ist eine gute Idee von Dir, nun auch andere daran teilhaben zu lassen, gerade wenn im eigenen Garten die Blütenpracht stirbt.

    Mutti

Hinterlasse eine Antwort

Your email address will not be published.

*